Schneemobil: Pistenking-Chassis für PistenBully 600

von admin • 8.11.2011 • Kategorie: Modelle
• Ausgabe 01/2012 •

Mit dem Chassis für den PistenBully 600 setzt Pistenking neue Maßstäbe. Die Ganzmetallkonstruktion, die auf ­modernsten Fertigungsmethoden basiert, bildet den sehr soliden Grundstock für weitere An- und Aufbauten. Das Konzept ist robust, durchdacht und überrascht mit Innovationen wie gebogenen Flexwellen.


Rostfrei. Fast alle Einzelteile des Chassis sind aus Aluminium, Messing oder Edelstahl gefertigt


Vormontiert, gefettet und mit Getriebe – die Motoren für den PistenBully 600 lassen keine Wünsche offen


Die Motoren sind samt Getriebe mittig in der Wanne platziert, was dem Schwerpunkt sehr zugute kommt


Die Radialkräfte, die durch die Flexwellen auftreten, werden durch den dreifach ­kugelgelagerten Antriebsstrang auf ein Minimum reduziert


Jede Laufrolle wird einzeln mit Schenkelfedern gedämpft


Die Motoren befinden sich knapp hinter dem Fahrerhaus. Dadurch ergibt sich ein optimaler Schwerpunkt, welcher sich in einer guten Steigleistung widerspiegelt


Die Laufräder werden auf die Achsen aufgesteckt und mit einer Mutter gesichert, eine zusätzlich Lagerung ist nicht nötig


Durch die gefederten Laufrollen behält das Modell auch bei unebenen Pisten sein gutes Fahrverhalten


Selbst das vorderste Rad am Chassis – das Spannrad – ist gefedert. Hier sollen Unebenheiten und Schläge als Erstes abgefangen werden


Beide Spannräder sind an der Spannachse befestigt, die für die ­nötige Kettenspannung sorgt


Ab auf die Piste. Dank der mitgelieferten Allterrain-Ketten kann das Chassis nun auf die Probe gestellt werden


Die zehn Laufrollen werden im Spritzgussverfahren hergestellt. Um sie herum eine Art Gummi – aus thermoplastische Polyurethan –, das auch bei frostigen Temperaturen noch elastisch bleibt


Vorne in der Wanne ist noch Luft. Hier legt Pistenking bald mit einer mechanischen Ansteuerung des Schilds nach. Tüftler können aber auch eigene Lösungen verbauen


Auch an kleine Details wie diese rutschsicheren Bodenbleche hat man bei Pistenking gedacht


Blick von unten auf das Fahrwerk und die Motoren. Alles sauber verbaut

Basiswerkstoff für das Fahrgestell ist Aluminium, das im Verhältnis zu seinem Gewicht eine gute Festigkeit bietet. Weitere Werkstoffe, die zum Einsatz kommen, sind Messing und Edelstahl. Eine komplette Konstruktion aus Stahl wäre zwar stabiler, würde aber das Gewicht unverhältnismäßig erhöhen – außerdem bietet Aluminium einen besseren Schutz vor den Einflüssen der Witterung.

Da Alu nicht ganz so einfach zu verschweißen ist, werden die Teile mit geeignetem Kleber verbunden. Empfohlen wird dazu UHU plus 300 endfest, der beim Aushärten im Backofen eine so gute Festigkeit erhält, dass er sich gegenüber einer Lötverbindung nicht zu verstecken braucht. Mit Nut- und Zapfenverbindungen werden die Teile zusammengesteckt und anschließend verklebt. Als weiterer Stabilitätsgewinn werden auch gekantete Eckverstärkungen samt Laschen mitgeliefert, um sie ebenso einfach zu verkleben. An hoch belasteten Stellen sind zur Sicherheit zusätzlich noch Schrauben mit eingebaut. Das Verfahren ist sicher sinnvoll, wenn der Umgang mit einem solchen Kleber schon bekannt ist. Jedoch ist der Bau des ­Chassis auch für Einsteiger zu schaffen, vielleicht werden dann die ersten Klebestellen nicht ganz so perfekt wie man es sich gerne wünscht, aber halten wird´s auf jeden Fall.

Motorkraft

Die Motoren werden vormontiert, gefettet und mit Getriebe geliefert. Die Getriebeplatten sind eine Eigenentwicklung von ­Pistenking, werden aus Edelstahl gelasert und passen millimetergenau in die maßstäblich schmale Wanne. Die beiden Motoren liefern schon bei langsamer Fahrgeschwindigkeit ausreichend Kraft – und das bei einem sehr geringen Stromverbrauch. So kann beispielsweise mit einem Akku mit 2.300 Milliamperestunden Kapazität bis zu zwei Stunden gefahren werden.

Die Motoren samt Getriebe sind mittig in der Wanne platziert, was dem Schwerpunkt sehr zugute kommt. Als Zahnräder sind konventionelle Zahnradstufen in Modul 0.5 im Einsatz. Die kugelgelagerten Getriebe-Ausganswellen reduzieren die Reibung auf ein Minimum.

Beim Original treibt ein Hydromotor, der direkt hinter dem Antriebsrad sitzt, das Fahrzeug an. Dieser ist im Verhältnis zu den im Pistenraupen-Modellbau üblicherweise verwendeten Elektromotoren sehr, sehr klein. Ein E-Motor direkt hinter dem Antriebsrad ist somit zwar absolut vorbildgetreu, im Hinblick auf die ­Baugröße jedoch trotzdem fehl am Platz. Also müssen die Motoren woanders hin, zum Beispiel in die Wanne. Und zwar dahin, wo im Original der Dieselmotor sitzt.

Alles gut und schön, doch da taucht auch schon das nächste Problem auf. Sind die Motoren samt Getriebe in ­Fahrrichtung in der Wanne montiert, muss die ­erzeugte Kraft irgendwie um die Ecke zu den Antriebsrädern geführt werden. Hier verfolgt Pistenking dazu einen komplett neuen Weg. Die Kraft wird per Flexwelle um die Ecke gewuchtet. Das hat nebenbei den Vorteil, dass der Bereich zwischen den Antriebsrädern größtenteils frei bleibt, um später mal eine Fräse am Heck des Modells zu montieren. Die Flexwellen werden mit Muffen und Madenschrauben auf den Getriebeausgangswellen befestigt. Im Antriebsrad wird die Flexwelle in eine vorbereitete Bohrung gesteckt und ebenfalls mit Madenschrauben gesichert. Die Flexwelle ist an beiden Enden verschweißt. Das hat den Vorteil, dass sich die Welle nicht aufdrehen kann.

Triebfeder

Der dreifach kugelgelagerte Antriebsstrang reduziert die von der Flexwelle auftretenden Radialkräfte auf ein Minimum: ein Kugellager im Getriebe und zwei in der Sternradlagerung. Gegen das axiale Verschieben des Sternrads wird vor dem Kugellager lediglich ein Gummi-O-Ring in einer Nut aufgespannt. So ist das Sternrad schnell, sicher und jederzeit für eventuelle Wartungen demontierbar befestigt. Der gesamte Antrieb läuft somit sehr leicht und auch leise. Die Flexwellen passen gut in die dafür mitgelieferten Messingrohre und erzeugen dadurch auch nur wenig Reibung.

Die vier großen Laufrollen pro Seite sind einzeln und unabhängig vonein­ander mit Schenkelfedern versehen. Das verleiht dem Modell bei einer unebenen Piste ein hervorragendes Fahrverhalten. Starr montierte Laufrollen würden dafür sorgen, dass das Modell über jede kleine Unebenheit holpert. Das schaut nicht nur ­scheußlich aus, ­sondern ist auch für das Chassis eine Qual.

Um dem Fahrbild noch einen weiteren Gefallen zu tun, ist neben den Laufrollen auch das Spannrad – also das vorderste Rad am Chassis – gefedert. Dieses hat die Aufgabe, die kommenden Unebenheiten und Schläge direkt abzufangen. Für die Kettenspannung ist die ebenfalls ­gefederte Spannachse zuständig. An ihr sind die ­beiden Spannräder montiert.

Die zehn Laufrollen werden im Spritzgussverfahren hergestellt. Die Felge wird aus Polyoxymethylen (POM) in einer eigens von Pistenking entwickelten Form gegossen. Der äußere Teil wird aus thermo­plastischem Polyurethan hergestellt, eine Art Gummi, das auch bei Minus-Graden noch elastisch bleibt. Die Laufräder werden auf die Achsen aufgesteckt und mit einer Mutter gesichert. Dank der guten Lauf­eigenschaften von POM ist hier keine zusätzliche Lagerung nötig.

Raumfreiheit

Das Getriebe und der Akku sind mittig und sehr tief in der Wanne verstaut. Das kommt dem Schwerpunkt zugute und verleiht dem Modell ein sehr gutes Steigverhalten. Der Schwerpunkt von einem PistenBully-Modell sollte direkt hinter dem Fahrerhaus liegen. Ist das Modell hecklastig, wird es im Steilhang wie ein startendes Flugzeug das Schild in die Höhe stecken, bis irgendwann vorne die Ketten den Gripp im Schnee verlieren und abrutschen. Ist der Schwerpunkt sehr weit vorne, bleiben die Ketten lange und ganzflächig auf dem Schnee, was der ­Traktion äußerst zuträglich ist.

Im vorderen Bereich der Wanne ist viel Platz frei für eine mechanische Ansteuerung des Schilds. Es wird von Pistenking in naher Zukunft auch eine Lösung für die Ansteuerung des Front- beziehungsweise Heckgeräteträgers geben. Wer allerdings gerne selber Hand anlegen möchte, hat mit dem Fahrgestell auch eine gute Basis, um eine eigene Ansteuerung der Geräteträger zu verwirklichen.

Standardmäßig ist ein Antrieb per Servos vorgesehen. Dazu wurde mittels eines CAD-Programms eine spezielle Anlenkungsgeometrie entwickelt die es erlaubt, das Schild über die Kolbenstangen der Hydraulikzylinder-Attrappen zu heben und zu senken. Das hat den großen Vorteil, dass keine Umlenkhebel außerhalb des Chassis die Optik beeinträchtigen. Optional ist es natürlich auch möglich, eine funktions­fähige Modellhydraulik zu verbauen.

Wie vorne, ist auch im hinteren Teil der Wanne viel Platz für die Ansteuerung des Heckgeräteträgers vorhanden. Für diesen ist ein Antrieb per Seilzug in Planung. Das Seil wird von einem Getriebemotor eingezogen und hebt dadurch die Fräse an. Ein Seil hat den großen Vorteil, dass sich die Fräse dem Untergrund anpassen kann. Im abgelassenen Zustand ist also das Seil entlastet und die ­Fräse schwimmt wortwörtlich auf dem Schnee. Nicht umsonst hat die Fräse am Original auch eine Schwimmstellung.

Zubehör

Der Grundbausatz vom PistenBully 600 ist mit folgendem Zubehör erhältlich: einem x-fach-gekanteter Grundkörper, vorgefertigte Rahmenbauteile, Lauf- und Antriebsräder, Motor-Getriebe-Einheit, Allterain-Ketten, Ladebrücke und Fahrerhausunterbau. Und wer lieber nicht selber Hand anlegen möchte, für den gibt es das Chassis bereits aufgebaut zu kaufen. Außerdem bietet Pistenking verschiede­ne Zubehörteile an, unter anderem einen ­speziellen Doppel-Fahrregler für PistenBully-Modelle, Geräteträger für den Front- und Heckbereich, ein Räumschild in Polar-Ausführung, eine Alpin-Flex-Fräse, eine Seilwinde und natürlich die passende Karosserie.

Kurzum: Neben dem Spielspaß und den vielen Funktionen ist das Modell vor allem ein echter Hingucker im Schnee. Der rote Farbtupfer wird garantiert viele interessierte Blicke auf sich ziehen.

Text: Adrian Humbel